Alternative für… ja, für wen eigentlich?

Alternative für… ja, für wen eigentlich?

Ich frage mich, wer diese Menschen sind, die sich dazu beschließen an einem wunderschönen Spätsommertag in die Wahlkabine zu gehen um eine reaktionäre, nationale und regressive Partei mit 13% in den Bundestag zu bringen. Wir wissen schließlich, was die AFD und ihre Anhänger in den letzten Jahren verzapft haben.
Da gab es zum Beispiel Bernd Höcke, einem der Mitbegründer der Partei, der in der Talkshow von Günther Jauch die deutsche Flagge auf seine Armlehne gehängt hat, um zu zeigen, dass die AFD „die Sprache des Volkes spricht“ wie Bernd selbst meinte.

Ja, man könnte mir jetzt vorhalten, dass Bernd eigentlich, seit seiner Nazi-Sager (Achtung, Plural!) und dem daraus resultierenden Rausschmiss aus der AFD (denn man will ja schließlich sein Image wahren), jegliche Relevanz verloren hat.
Jedoch ist dieses reaktionäre Gequatsche von Höcke und seinen Kameraden symptomatisch für die Partei. Es war die Parteichefin Frauke Petry selbst, die den Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge rechtfertigte und Spitzenkandidat Alexander Gauland meinte sogar „Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten“, man könne sich nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“

Übrigens: Gauland hielt sich heute auf der Wahlkampfparty auch nicht wirklich zurück. So zitiert ihn die ZEIT folgendermaßen:

Da wir offensichtlich drittstärkste Partei sind, kann sich diese Bundesregierung stark anziehen. Wir werden sie jagen, wir werden Merkel jagen. […] Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.

Zumindest wissen wir jetzt, auf welche Rhetorik wir uns in Zukunft in einer europäisch-demokratischen Institution einstellen müssen. Doch wahrscheinlich waren es ebendiese Sätze und Provokationen, die die AFD im Gespräch hielten und somit zur drittstärksten Kraft im deutschen Bundestag gemacht haben.

Was mich aber so wundert ist, dass wir eigentlich wissen sollten, wie die sogenannte Alternative für Deutschland zu den Dingen steht. Wir sollten eigentlich auch wissen, dass diese Partei nichts, aber auch gar nichts für den kleinen Mann übrig hat. Das sieht man unter anderem an ihrer Familien- und Mindestlohnpolitik.

So verfolgt die Partei grob Ideen von Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, der einen Einheitssatz von 20-25 Prozent vorsieht und für alle Einkommen über 20.000 Euro gelten soll. Absurd, wenn man bedenkt, dass dieses Steuermodell vor allem dafür sorgen würde, dass es massive Ausfälle bei Steuereinnahmen geben würde.  Die Staatsverschuldung würde sich also vergrößert und nicht verkleinert, so wie es das AFD-Programm eigentlich vorsieht. Eine Altenpflegerin würde in so einem Fall ihren Lohn mit dem selben Steuersatz versteuern müssen, wie jemand mit einem Gehalt eines Managers. Steuervergünstigungen wären, ginge es nach dem Modell von Kirchhof, natürlich auch hinfällig.

Ein Lichtblick ist die (überlebensnotwendige) Entscheidung der SPD, nicht mit der CDU zu koalieren sondern in die Opposition zu wechseln und der AFD somit nicht das Feld zu überlassen. Die AFD wird dadurch geschwächt. Wäre es nämlich zu einer Koalition gekommen, hätte die AFD die Oppositionsführung übernommen. Nun übernimmt die SPD das Zugpferd in der Opposition.

 

 

 

 

 

 

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