Instagram verändert unsere Essenskultur

Instagram verändert unsere Essenskultur

Kevin Systrom und Mike Krieger, die beiden Entwickler von Instagram, hätten sich wohl niemals erwartet, dass das Ding einmal so groß werden würde. Instagram erlebt seit Jahren einen regen Zuwachs und das nicht erst seit Facebook seine Übernahme bekannt gegeben hat. Die Bilderplattform verzeichnet mittlerweile 800 Millionen Nutzer. Ein Massenmedium also, dessen Nutzerzahlen die eines jeden Fernsehsenders, einer jeden Tageszeitung und einer jeden Radiostation bei Weitem übersteigt.
Das Interessante dabei sind nicht nur die Nutzerzahlen auf der Plattform, sondern auch der Einfluss auf das tägliche Leben, der sich daraus ergibt.
Wenn man zum Beispiel die Essenstrends, die auf der Plattform zu finden sind, etwas näher betrachtet, sieht man, dass Instagram nicht nur die Art unserer Kleidung und unserer Körperwahrnehmung verändert, sondern auch Einfluss darauf hat, wie und was wir essen.

Fallbeispiel Avocado

Die Avocado ist in den letzten Jahren zur wohl populärsten Frucht auf diesem Planeten avanciert. Das hat unter anderem mit der Popularität der Frucht auf Instagram und dem Rest aus der Social Media Gang zu tun. Schaut man sich die Exportzahlen Mexikos, dem größten Exporteur der Avocado, einmal genauer an, sieht man, dass eine klare Zunahme ab dem Jahr 2010, also dem Launch-Jahr von Instagram, zu verzeichnen ist. Mittlerweile muss Mexiko übrigens selbst Avocados aus dem Ausland importieren, da der Export der Frucht den Eigenbedarf übersteigt.

Quelle: Food and Agriculture Organization of the United Nations

 

Wer auf Instagram unter dem Hashtag #Avocado nach der Frucht sucht, wird mit 6.8 Millionen Ergebnissen definitiv fündig. Fanseiten wie „I love Avocado“ und „Hold my Avocado“ stehen für das Fandom auf Facebook.
Selbst in der Popkultur hat das Ding bereits Einzug gefunden. Miley Cyrus setzte der Avocado ein schmerzhaftes Denkmal, indem Sie sich eine auf die Schulter tätowieren ließ. Und mit „The Avocados“ aus Denver gibt es einen The Velvet Underground Klon mehr auf der Welt, den ihr euch definitiv reinziehen solltet (den Link findet ihr am Ende des Artikels).

Das Auge isst definitiv mit

Nun bleibt es aber nicht dabei, auch Restaurants lassen sich inzwischen einiges einfallen, um auf der Social Media Welle mitzuschwimmen. So berichtet das amerikanische Tech-Magazin The Verge von jungen Unternehmern, die es sich mit ihren frisch eingerichteten Restaurants in der San Francisco Bay Area gemütlich gemacht haben. Die Restaurants setzen bei der Konzeptionalisierung ihrer Inneneinrichtung ganz auf Fotogenität und Wiedererkennungswert für die Kunden des Web 2.0. Neben den üblichen Instagram-Wettbewerben und hauseigenen Hashtags gibt es mittlerweile sogar ganze Restaurants die ihr aussehen für Social Media ändern.

Zum Beispiel achtete die Milk & Cream Cereal Bar in New York City bei der Planung der Inneneinrichtung genau darauf, dass auch alles gut abfotografierbar ist. Die Lampen sollen dem schönen Bild dienen und selbst die Decke wurde mit Fensterglas ausgetauscht, um besseres Licht in das Lokal zu werfen, um damit bessere Fotos zu garantieren. Cory Ng ist der Besitzer der Milk & Cream Cereal Bar, er erklärt, dass ihm die Plattform die Kunden ins Haus holen würde. Für Stammkunden sorge dann aber das gute Essen. Denn was nützt es dem Kunden, wenn das Restaurant das hübscheste der Welt ist, das Essen aber nicht schmeckt.

„No Photos“

Natürlich muss dazu gesagt werden, dass es für die Betreiber eines Restaurants immer schon wichtig war, wie sie sich präsentieren. Schließlich soll sich der Gast im Restaurant auch wohlfühlen und nicht nur gut essen. Eine instagramfreundliche Einrichtung, ist im Grunde aber nichts anderes als gratis Werbung mit einer großen Reichweite für den Restaurantbetreiber.

Natürlich gibt es zu diesem Trend aber auch bereits einen Gegentrend.

Das mit drei Michelinsternen ausgezeichnete Waterside Inn im englischen Berkshire bittet nämlich jeden Gast seinen Telekommunikationsapperat beim Essen an die Seite zu legen. Ein Schild mit „No Photos“ hängt am Eingang des Restaurants. „Ein Foto kann den Geschmack eines Essens nicht einfangen,“ weiß Michel Reux, einer der Mitbegründer des Restaurants.

Die Frage die sich dadurch ergibt, ist natürlich: Was passiert mit Restaurants, die sich auf einer so bekannten und erfolgreichen Plattform nicht präsentieren? Wer nicht für sein Unternehmen wirbt, läuft Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Natürlich muss auch gesagt werden, dass eine gediegenere, private Atmosphäre bei einem kulinarischen Ereignis sicherlich unterstützend wirkt. Möglicherweise trennt sich dadurch ja wirklich die Gastronomie-Spreu vom Fastfood-Weizen, die nur auf einen möglichst großen Kundenstamm aus sind.

Jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass dieses Phänomen auch nicht vor gehobeneren Establishements haltmacht. Ich selbst habe mal in einem Wiener Kaffeehaus gekellnert. Die Speisekarte reichte von der typischen Wiener Melange bis hin zu belgischen Waffeln. Einmal kam es vor, dass zwei Kundinnen ebendiese Waffeln bestellten, mit ordentlich viel Schlagsahne. Es dauerte nicht lange, dann wurde ich wieder zum Tisch gerufen. Es wäre okay und ich könne den Teller wieder mitnehmen. Daraufhin frage ich nach, ob denn irgendetwas nicht mit dem Essen stimme. Nein meinte sie, sie wollte nur einen Schnappschuss für ihr Instagramprofil. Bezahlt hat sie es natürlich trotzdem.


 

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