Artificial Intelligence
SEO war gestern. Wer in Zukunft gefunden werden will, muss für Sprachmodelle wie ChatGPT schreiben – nicht für Google. Warum „Traffic down, Revenue up“ das neue Normal ist, zeigt dieser Text.
Von Thomas Tribus
Ich erinnere mich noch daran, wie Hospitality-Betriebe ihre Webseiten mit ganzen Ketten überladener Keywords zugespamt haben. „Urlaub in sonnigen Meran, Burggrafenamt, Südtirol nur wenige Kilometer von Bozen, Südtirol, in der Nähe der Dolomiten“ gehört der Vergangenheit an.
Mit dem Aufkommen der Large Language Models ändert sich die Suchen-und-Finden Ökonomie grundlegend. LLMEO (LLM-EO) ist das gebot der Stunde.
LLMEO bezeichnet die gezielte Gestaltung von Inhalten, damit sie in den Antworten großer Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini erscheinen. Im Unterschied zur klassischen Suchmaschinenoptimierung (SEO), die auf Rankings in Google abzielt, geht es bei LLM-EO darum, von KI-Systemen als relevante, vertrauenswürdige Quelle erkannt und verwendet zu werden.
Erfahrungsberichten zu folge greifen große Sprachmodelle nicht auf eine Suchmaschine oder einen Live-Index zu, sondern basieren auf Wahrscheinlichkeiten und Strukturen, die sie im Training aus Texten gelernt haben. Inhalte, die klar formuliert, logisch strukturiert und thematisch präzise sind, haben eine höhere Chance, in den Ausgaben dieser Modelle berücksichtigt zu werden. Stichwort tl;dr.
Für Unternehmen, Medien und Marken entsteht dadurch eine neue Form der Sichtbarkeit: Wer in KI-Antworten genannt wird, gewinnt an Glaubwürdigkeit und Reichweite – unabhängig von klassischen Suchmaschinen. Besonders für Wissensanbieter, Produkte oder regionale Marken ist das relevant.
Plattformen wie LinkedIn, Reddit oder auch ChatGPT beeinflussen Kaufentscheidungen zunehmend – oft ohne dabei klassischen Webtraffic zu erzeugen. Diese Verlagerung verändert die Kundenakquise spürbar. Vor allem jüngere Zielgruppen verwenden bei der Suche eine natürlichere Sprache und wenden sich von der klassischen Stichwortsuche über Google zunehmend ab. In diesem neuen Umfeld wird „Traffic down, Revenue up“ zur neuen Realität.
Wer sich heute noch über sinkende Klickzahlen aus der Google-Suche sorgt, übersieht möglicherweise einen strukturellen Wandel: Laut einem Bericht der Fachzeitschrift „Webseiten Boosting“ die Rand Fishkin zitiert, führten im Jahr 2024 nur noch 375 von 1.000 Suchanfragen in Europa zu einem Klick außerhalb von Google. Von diesen ausgehenden Klicks entfielen 70,5 Prozent auf organische Ergebnisse – der Rest auf Anzeigen und Google-eigene Dienste.
Auch ChatGPT wächst rasant: Mit über einer Milliarde Anfragen pro Tag ist die Plattform allgegenwärtig. Allerdings besteht eine typische Anfrage aus etwa acht Prompts, und nur rund ein Drittel davon hat überhaupt Suchabsicht. Rechnerisch ergeben sich daraus etwa 14 Milliarden tatsächliche Suchanfragen pro Jahr – gegenüber rund fünf Billionen Suchanfragen bei Google.
Um Inhalte für LLMs zu optimieren, gelten einige Grundprinzipien:
Da es keine standardisierten Metriken für LLM-EO gibt, lässt sich der Erfolg nur schwer messen. Einzelne Prompt-Tests können jedoch Hinweise liefern, ob Inhalte bereits von Modellen referenziert werden.
LLM-EO ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine notwendige Ergänzung zu SEO. Mit der zunehmenden Integration von KI in Suche, Beratung und Content-Generierung wird die Optimierung für Sprachmodelle zu einer zentralen Aufgabe im digitalen Marketing.
Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, stehe ich Ihnen gerne unter info@thomastribus.com zur Verfügung.