Artificial Intelligence
Das neue Modell steht ab sofort allen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung, auch jenen mit kostenlosem Zugang. Und ja, it’s a big deal.
Nur wenige Tage nach der Ankündigung seiner ersten Open-Weight-Modelle seit sechs Jahren bringt das Unternehmen damit seine bislang leistungsfähigste KI auf den Markt. GPT-5 soll laut OpenAI in allen Bereichen Fortschritte bringen: bei Programmierung, Textgenerierung, Sicherheit, Genauigkeit und logischem Denken.
„Zum ersten Mal fühlt es sich an, als würde man mit einer echten Expertin oder einem echten Experten sprechen – ganz egal zu welchem Thema“, sagte CEO Sam Altman bei einem Pressegespräch. Der Sprung erinnere ihn an den Wechsel vom ersten iPhone-Display zur Retina-Technologie – erst im Rückblick erkenne man, wie schlecht die frühere Technik war. Mit GPT-5 wird erstmals standardmäßig ein sogenanntes Reasoning Model verwendet – also ein Modell, das komplexe Aufgaben durch logisches Zerlegen löst. Zuvor musste man dafür die versteckte Option „Think Longer“ aktivieren, was viele Nutzer nie getan haben. Jetzt ist diese Fähigkeit für alle direkt nutzbar, wodurch sich ChatGPT deutlich vereinfacht.
OpenAI bietet drei Versionen des neuen Modells an: GPT-5 ist die Standardversion für kostenlose und Plus-Nutzer, GPT-5 Mini wird automatisch verwendet, wenn diese ihr Nutzungslimit erreichen, und GPT-5 Pro ist exklusiv für Abonnenten des 200-Dollar-Pro-Plans, bei dem keine Limits gelten. Plus-Nutzer dürfen GPT-5 deutlich intensiver verwenden als Gratis-Nutzer, Pro-Kunden sogar uneingeschränkt.
Im Vergleich zum bisherigen Spitzenmodell o3 arbeitet GPT-5 wesentlich schneller und präziser. Laut Altman sei das Modell so schnell, dass man sich fast frage, ob es überhaupt richtig nachdenke – „aber dann liefert es eine exzellente Antwort“. Gleichzeitig gibt es laut OpenAI weniger Halluzinationen, also falsche oder erfundene Informationen – ein Problem, das bei bisherigen Reasoning-Modellen besonders häufig auftrat.
Mit Safe Completions führt OpenAI ein neues Sicherheitskonzept ein: Statt eine Anfrage pauschal zuzulassen oder abzulehnen, antwortet das Modell nun mit sicheren, aber nützlichen Informationen – insbesondere bei sensiblen Themen wie chemischen Reaktionen. Sicherheitsforscher Alex Beutel erklärte, dass das Modell so konstruiert sei, dass es zwischen gefährlicher Absicht und harmloser Neugier unterscheiden könne. In medizinischen Kontexten sei GPT-5 zudem besser darin, auf potenzielle Risiken hinzuweisen, präzisere Antworten zu geben und dabei das Vorwissen sowie die Region des Nutzers zu berücksichtigen.
Auch für Entwickler und Kreative soll GPT-5 das bislang stärkste Werkzeug sein: Beim Programmieren sei es leistungsfähiger, beim Schreiben könne es Rohfassungen präzise in überzeugende Texte überführen.
GPT‑5 verspricht vieles. Ob es alles halten kann, wird sich zeigen. Aber es ist ziemlich klar: Wir stehen am Anfang einer neuen Phase. Künstliche Intelligenz wird nicht nur produktiver. Sie wird auch ein Stück weit verständiger. Und das wird vieles verändern – in Unternehmen, im Alltag, in der Art, wie wir arbeiten und denken.
Begleitend zum Launch erhält ChatGPT mehrere neue Funktionen. Nutzerinnen und Nutzer können nun eigene Chat-Farben wählen, wobei zahlende Kunden exklusive Optionen erhalten. Zudem lässt sich ChatGPT ab sofort direkt mit Gmail, Google Kalender und Google Kontakten verknüpfen. Das System erkennt dann automatisch Kontexte, ohne dass Nutzer manuell etwas auswählen müssen. Diese Funktion startet zunächst für Pro-Nutzer. In den „Custom Instructions“ gibt es außerdem vier neue Test-Persönlichkeiten: Zyniker, Roboter, Zuhörer und Nerd – sie lassen sich jederzeit ändern oder deaktivieren.
Ein weiteres Update betrifft die Sprachfunktion. OpenAI ersetzt den bisherigen Sprachmodus durch Advanced Voice, das besser zuhört, natürlicher spricht und multimodal funktioniert – also Sprache, Bild und Kontext gemeinsam versteht.
Zur Frage, wie weit GPT-5 noch von einer allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) entfernt ist, sagte Altman: „Ich mag den Begriff AGI nicht besonders, weil inzwischen jeder etwas anderes darunter versteht. Aber [GPT-5] ist ein deutlicher Schritt in Richtung wirklich fähiger Systeme. Etwas Wichtiges fehlt uns noch – etwa die Fähigkeit zum autonomen Lernen. Aber die Intelligenz und Leistungsfähigkeit dieses Modells ist ein riesiger Fortschritt. Wenn man mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass wir heute so weit sind – ich hätte das als echten Meilenstein auf dem Weg zu etwas AGI-Ähnlichem gesehen.“
Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, stehe ich Ihnen gerne unter info@thomastribus.com zur Verfügung.