#7 Kurt Hofer

#7 Kurt Hofer

Kurt Hofer ist Geschäftsführer der Metzgerei Hofer in Moos, im Passeiertal. Er ist Metzgermeister und seit über 40 Jahren im Familienbetrieb tätig. Aufgrund der aktuellen Krise und den daraus resultierenden Ausgangsbeschränkungen gibt es große Verschiebungen auf dem Lebensmittelmarkt. Familienbetriebe ändern temporär ihre Verkaufsmodelle um sich an die neue Nachfrage anzupassen. Dass die Betonung hier auf “temporär” liegt, geht aus diesem außerordentlich spannenden Gespräch klar hervor.

Herr Hofer, wie erleben sie die aktuelle Krise?

Mit gemischten Gefühlen, muss ich sagen. Wir erleben eine zunehmende Nachfrage in lokalen Lebensmittelgeschäften und bei privaten Kunden. In anderen Bereichen unseres Betriebes aber, vor allen Dingen bei jenen, die abhängig vom Tourismus sind, herrscht Stillstand. Ein Stillstand, der vor allen Dingen unsere Speckproduktion trifft. Somit sind es unterm Strich doch weniger Bestellungen als vor der Krise

Glauben Sie, dass sich aus diesem veränderten Konsumverhalten ein neues Vertrauen in die lokalen Produzenten ergibt?

Teilweise, bei manchen stärkt sich dieses Vertrauen sicher. Ich glaube aber, dass sich bei vielen auch nicht unbedingt etwas ändern wird, da der Großteil der Leute diese Entwicklungen hinter sich lassen wird, sobald alles wieder zur Normalität zurückkehren wird.

Viele Lebensmittelbetriebe bauen ihren mobilen Zustellungsbetrieb aus. Glauben Sie, dass sich dadurch in Zukunft ein neues Marktmodell für Südtiroler Betriebe ergeben wird?

Nein, das fände ich nicht sinnvoll. Der Trend sollte eher dahin gehen, dass die Menschen es wieder mehr schätzen, in jedem noch so kleinen Dorf ein lokales Lebensmittelgeschäft vorzufinden. Wir als Lebensmittelproduzent konzentrieren uns deshalb in erster Linie auf die Belieferung der vielen Verkaufspunkte in Südtirol. Hauslieferungen bringen einen ungeheuren Aufwand mit sich, welcher sich in den Zeiten, in denen die Menschen sich wieder frei bewegen dürfen, einfach nicht rechnen würde. Zudem würde das eine zusätzliche Verkehrsbelastung bewirken, was sich dann auch wieder auf die Umwelt niederschlagen würde. Lokal einkaufen ist ökologisch gesehen die beste Variante, das muss nicht durch übertriebenen Service gemindert werden.

Welche Auflagen in der aktuellen Krise sind am problematischsten für euch?

In erster Linie ist es für unsere Lieferanten schwierig, da gefühlt dreimal in der Woche ein neuer Zettel auszufüllen ist und die Vorgaben einfach kompliziert und aufwendig sind. Natürlich ist auch das körperliche Arbeiten mit Mundschutz eine zusätzliche Herausforderung für unsere Mitarbeiter.

Was sind eure Prognosen für den Lebensmittelhandel nach der Krise?

Das ist schwierig zu sagen. Wie gesagt bin ich der Meinung, dass nach der Krise viele wieder in alte Gewohnheitsmuster zurückfallen werden.

Wie könnte euch der Staat unter die Arme greifen?

Mit weniger Bürokratie und mehr Hausverstand.

Welche Rolle spielt der Onlinehandel in diesen Zeiten für euch?

Wir beliefern Geschäfte wie PUR Südtirol, welche über einen Onlineshop verfügen. Über diese Portale wird momentan mehr eingekauft, somit liefern wir mehr. Aber ein Onlineshop nur für unseren Betrieb haben wir nicht geplant.

Warum? Ist der Onlinehandel für euch überhaupt nicht relevant?

Vergrößert sich der Onlinehandel der Geschäfte welche wir beliefern, somit würden wir uns darüber natürlich freuen. Wir als Metzgerei Hofer möchten uns aber auf den lokalen Handel konzentrieren und diesen unterstützen. Dabei ist meines Erachtens ein Online Shop kontraproduktiv.

Welche Rolle spielt Werbung in diesen Zeiten für euch?

Auf jeden Fall eine größere als ich zuvor dachte. Durch gut platzierte Werbung ist es uns trotz Corona Krise gelungen, den jährlichen Kitzhandel zur Osterzeit, der Bauern und Metzger des Tales betrifft, gut über die Bühne zu bringen. Wir haben um die Unterstützung der heimischen Bevölkerung geworben und das mit großem Erfolg. Gerade in diesen Zeiten ist die Kommunikation mit den Kunden von großer Wichtigkeit.

Ist eine Vergrößerung des Werbebudgets für euch relevant?

Nein, das nicht unbedingt, aber gezielter sollte sie in Zukunft sein. Ich habe gesehen, dass nur Werbung zur richtigen Zeit, am richtigen Ort wirklich etwas bewirkt.

Was ist eurer Meinung nach die wichtigste Maßnahme und das wichtigste Werkzeug um die Krise wirtschaftlich zu überstehen?

Wir im Lebensmittelsektor werden die Krise wahrscheinlich mit geringen Schäden überstehen, im Gegensatz zu anderen Sparten. Das was uns zurzeit über Wasser hält, ist die Belieferung der Lebensmittelgeschäfte in unserer Umgebung. Wäre unser Hauptkunde die Gastronomie, so befänden wir uns, genau wie sie, im Stillstand.

An dieser Stelle wird im Gespräch normalerweise noch etwas ergänzt oder ein Wunsch geäußert.

Wir alle müssen jetzt einfach schauen, was die nächste Zeit bringt und wie die Menschen darauf reagieren. Mein Gefühl sagt mir aber, dass momentan alle von Regionalität und Lokalität sprechen, die Welt danach aber wieder fast genauso weiterlaufen wird, wie vor der Krise. Und eben das sehe ich als Problem, denn zu viel dominierten in den letzten Jahren der Profit und die Weltwirtschaft das Geschehen. Begriffe wie “regional” und “lokal” passen nicht wirklich gut in dieses Schema. Damit lässt sich einfach nicht das große Geld verdienen.

Eigentlich wünschen sich doch die meisten Menschen eine Veränderung dieses profitorientierten Zustandes, zuletzt hat er trotzdem immer mehr zugenommen. Unzufriedenheit und Gier, als tief verankerte Eigenschaften des menschlichen Wesens, könnten dafür ein Grund sein.

Jeder, der sich dafür entscheidet, mit regionalen Produkten zu arbeiten, muss sich darüber im Klaren sein, dass man damit nicht das große Geld macht. Warum also ist diese Branche überhaupt zukunftsbeständig und interessant? Eben das sollten die Menschen in dieser Krise eindrücklich erkennen: Lebensnotwendige Produkte in lokalen Geschäften kaufen zu können, ist die einfachste, echteste und wichtigste Grundlage des menschlichen Alltages seit jeher. Und es wäre schön, wenn dieser Wert gerade nach der Krise im Fokus der Menschen bleibt und sich vielleicht sogar eine allgemeine Zufriedenheit etablieren kann.

Das Foto wurde von Karl Stanzel geschossen und mit freundlicher Genehmigung von Sandra Hofer zur Verfügung gestellt.

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